Ich dachte, ich brauche ein Netzwerk. Was ich brauchte, war ein Board.
Hans-Willi Möller aus Düren erzählt, wie ihm ein TAB-Unternehmerboard geholfen hat, sein Ingenieurtechnik-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger zu übergeben.
Hans-Willi Möller führte über 25 Jahre ein mittelständisches Ingenieurtechnik-Unternehmen in Düren. Viele Jahre war er Mitglied eines TAB-Unternehmerboards. Im Gespräch erzählt er, wie das Board ihm geholfen hat, die vielleicht wichtigste Entscheidung seiner Unternehmerkarriere vorzubereiten: die erfolgreiche Übergabe seines Unternehmens an einen Nachfolger.
Herr Möller, Sie waren lange in verschiedenen Netzwerken aktiv. Was hat Ihnen dort gefehlt?
Verstehen Sie mich nicht falsch – ich habe in Netzwerken tolle Menschen kennengelernt. Ich war bei Branchenrunden, bei regionalen Unternehmertreffen, bei einem Business-Club. Das war alles nicht schlecht. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich immer motiviert nach Hause gegangen bin, aber selten klarer. Ich hatte neue Visitenkarten, neue Ideen, neue Energie. Aber wenn ich am nächsten Morgen an meinem Schreibtisch saß und eine echte Entscheidung treffen musste – zum Beispiel, ob ich in eine neue Fertigungslinie investiere oder ob es nicht langsam Zeit wird, über die Zukunft des Unternehmens nachzudenken – dann war ich genauso allein wie vorher.
Was war der Moment, in dem Sie gesagt haben: Ich brauche etwas anderes?
Das war vor einigen Jahren. Ich hatte zum ersten Mal ernsthaft über die Nachfolge nachgedacht. Nicht weil ich müde war, sondern weil ich gemerkt habe, dass ein guter Übergang Zeit braucht – viel mehr Zeit, als die meisten denken. Ich habe das Thema in meiner damaligen Runde angesprochen, und alle haben gesagt: „Du bist doch noch fit" oder „Das hat noch Zeit." Das war nett gemeint. Aber es hat mir nicht geholfen. Was ich gebraucht hätte, wäre jemand gewesen, der mich fragt: Was ist dein Unternehmen wert, wenn du morgen ausfällst? Wie sieht dein Übergabeplan konkret aus? Welche Kandidaten hast du wirklich geprüft? Diese Art von Fragen habe ich erst im Board kennengelernt.
Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen einem Netzwerk und einem Unternehmerboard?
Verbindlichkeit. In einem Netzwerk erzähle ich von meinen Plänen. Im Board werde ich beim nächsten Treffen gefragt, was daraus geworden ist. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, aber es verändert alles. Plötzlich nehme ich meine eigenen Vorhaben ernster, weil ich weiß, dass die anderen Unternehmer in vier Wochen nachfragen werden. Und diese Menschen kommen aus völlig unterschiedlichen Branchen. Da sitzt ein IT-Unternehmer neben einer Handelsunternehmerin und einem Dienstleister. Und plötzlich kommen Fragen auf den Tisch, die in der Ingenieurtechnik niemand stellen würde. Gerade beim Thema Nachfolge war das Gold wert – weil einige am Tisch den Prozess schon hinter sich hatten.
Wie hat das Board Ihnen konkret bei der Unternehmensnachfolge geholfen?
Das Board hat mich gezwungen, ehrlich zu mir selbst zu sein. Als Unternehmer neigt man dazu, die Nachfolge immer wieder zu verschieben. Es gibt immer ein dringenderes Thema, ein wichtigeres Projekt. Im Board wurde ich regelmäßig gefragt: Wo stehst du mit deinem Nachfolgeplan? Was hast du seit dem letzten Treffen konkret unternommen? Das hat mich in Bewegung gehalten.
Aber es ging nicht nur um den Druck. Die anderen Boardmitglieder haben mir Perspektiven eröffnet, die ich allein nie gesehen hätte. Ein Kollege hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, dass mein Unternehmen ohne mich besser wird – nicht schlechter. Das hat mich getroffen, aber es hat mich auch befreit. Ein anderer hat mir von seiner eigenen Übergabe erzählt und welche Fehler er gemacht hat. Dieses Wissen aus erster Hand ist unbezahlbar.
Hatten Sie Bedenken, so offen über die Nachfolge zu sprechen?
Natürlich. Nachfolge ist ein sensibles Thema. Man spricht über Unternehmenswerte, über persönliche Schwächen, über die Angst, loszulassen. Das erfordert Vertrauen. Aber genau das ist der Punkt: Weil die Gruppe klein ist, weil sie moderiert wird und weil alle in der gleichen Situation sind – nämlich Unternehmer, die bessere Entscheidungen treffen wollen – entsteht dieses Vertrauen erstaunlich schnell. Im Board konnte ich Dinge aussprechen, die ich nicht einmal meinem Steuerberater gesagt hätte.
Wie ist die Übergabe letztlich gelaufen?
Erfolgreich. Und das sage ich nicht leichtfertig. Ich habe mir über zwei Jahre Zeit genommen, den richtigen Nachfolger zu finden, ihn einzuarbeiten und den Übergang sauber zu gestalten. Das Board hat mich in jeder Phase begleitet – von der ersten strategischen Überlegung bis zum letzten Tag als Geschäftsführer. Heute leitet mein Nachfolger das Unternehmen eigenständig, und ich bin stolz darauf, wie es weitergeht. Ohne das Board hätte ich den Prozess wahrscheinlich noch zwei, drei Jahre vor mir hergeschoben. Und dann wäre es vielleicht zu spät für eine geordnete Übergabe gewesen.
Was würden Sie einem Unternehmer sagen, der gerade überlegt, ob ein Board das Richtige für ihn ist?
Fragen Sie sich nicht, ob Sie ein Netzwerk brauchen. Fragen Sie sich, was sich nach dem letzten Treffen verändert hat. Waren Sie nur inspiriert? Oder waren Sie klarer, fokussierter und handlungssicherer? Und wenn Sie vor einer großen Entscheidung stehen – sei es eine Investition, eine Umstrukturierung oder eben die Nachfolge – dann brauchen Sie keine Visitenkarten. Dann brauchen Sie Menschen, die die richtigen Fragen stellen. Genau das ist ein Board.
Hinweis: Dieses Interview wurde redaktionell aufbereitet. Die beschriebenen Erfahrungen basieren auf realen Situationen aus der Arbeit mit TAB-Boardmitgliedern.
Autor: Michael Trunkhardt & Jörg Dreyer
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